Begegnung mit einem "Halbteufel"
Wenn einem die bis zu 8 cm lange Maulwurfsgrille über den Weg läuft, kann man schon einen kleinen Schrecken bekommen - zumindest war das unsere erste Reaktion. Doch die hielt nur ein paar Sekunden an. Schon war die Kamera mit dem Makroobjektiv gezückt und es ging über Weg und Feld hinter dem aktiven Megainsekt her. Einer kurzen Ruhephase seitens Gryllotalpa gryllotalpa sei dank, sonst wäre an ein scharfes Bild des lauf- und buddelfreudigen Tierchens nicht zu denken gewesen.
Die flugfähige Europäische Maulwurfsgrille, die im Volksmund auch als Halbteufel, Werre oder Erdkrebs bezeichnet wird, ist aber nicht nur imposant anzusehen. Auch evolutionsbiologisch lässt sich der Grille einiges abgewinnen, stellt sie doch eine spannende Eigenschaften-Mischung aus Grille (Gryllidae) und Maulwurf (Talpidae) mit einer flusskrebsähnlichen Körperform und libellenartig geäderten Flügeln dar. Anzunehmen ist, dass ihre Vorfahren sich bereits vor 35 Millionen Jahren entwickelten. Daher ist es sehr schade, dass ihr Vorkommen - zumindest in Deutschland - laut Roter Liste als stark gefährdet eingestuft wird. Dies vor allem, weil sie lange als Schädling verfolgt wurde. Denn beim Graben ihrer unterirdischen Gänge verletzt die Maulwurfsgrille mit ihren schaufelartigen Vorderbeinen die Wurzeln von Pflanzen. So wurde das eigentlich carnivor lebende Insekt zum Pflanzenschädling... Unsere Zufallsbegegnung hat sich nach ihrem kurzen oberirdischen Aufenthalt vor der Kamera jedenfalls wieder ins unter die Erde verabschiedet, wo sie, so hoffen wir, unbehelligt ihres Weges buddelt.
Bild-Nr. 10-7692: 1/40s, f 13, ISO 800, Av, 100 mm Makro, freihändig mit Bildstabilisator